Aus « La mort heureuse » ( Arbeitstitel), einem im Entstehen begriffenen Roman

(Dieser im Entstehen begriffene Roman umfasst bisher ca. 40 kürzer oder längere Abschnitte, ungefähr 100 Druckseiten. Er ist nicht in einem durchgeschrieben, sondern aus verschiedensten Abschnitten bestehend. Die Hauptfigur, ein Schriftsteller, der einen Roman schreibt, aber letztendlich nicht vollendet, weil er beim Baden im Meer an einer Herzattacke stirbt, ist die Hauptfigur und hält die verschiedensten heterogenen Abschnitte – Handlungsgeschehen, Tagebucheintragungen, Briefe u.a. – zusammen. Der Roman wird gleichzeitig in französischer und deutscher Sprache geschrieben. Im folgenden einige Ausschnitte aus der deutschen Fassung. Die Text sind bei weitem noch nicht fertig und noch nicht überarbeitet !)

(Roman « La mort heureuse » / das verzweifelte Liebesgeständnis)

Er legte den Kopf auf ihre Schulter und sein Herz wurde ruhig; alle Gedanken, die ihn gejagt hatten, erloschen in seinem Kopf, als ob man in einem Zimmer die blendende Licht eines Lusters abgedreht hätte und nun die Dunkelheit im Zimmer, in welches die Geräusche des späten Aprils drangen, wie ein endloser Himmel ruhte.

Sie drückte seinen Kopf an ihre Brust und legte ihre Beine über seine und sprach nichts.-

Zuvor hatte er ihre gesagt, dass er sie liebe, sie wirklich liebe, dass er sich diese Liebe, die er fühle, bewahren möchte, er hatte ihr diese Liebe beschrieben, nachdem tagelang Gedanken durch seinen Kopf rasten, wie er ihr diese Worte sagen sollte; ja ob er ihr überhaupt diese Wort sagen sollte, ob er sie mit diesen Worten nicht verschrecken und verlieren würde. Oder ob er ihr mit diesen Worten sich ihr nicht ausliefern würde, so dass sie mit ihm machen könne, was sie wolle, ihn sogar sexuell betrügen könne, weil sie wegen seiner Liebe nichts zu befürchten habe.

Im Bewusstsein der Zerbrechlichkeit menschlicher Gefühle stotterte er sein Liebesgeständnis.

Sie antwortete nichts auf sein Liebesgeständnis, als sie beide im dunklen Zimmer auf dem Bett lagen, sondern zog nur seinen Kopf an sich…

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Selbstmörder gelten gemeinhin als Menschen, die am Leben verzweifeln bzw. daran verzweifelt sind, oder Angst vor dem Leben haben.

Ein Selbstmörder könnte auch eine Person sein, die sich tötet, weil sie Angst vor dem Tode hat. Dieses Motiv empfinden simpel denkende Menschen, also die Mehrheit der Menschen, aber schon als etwas schon völlig absurdes.
Doch Gabriel Garcia Marquez berichtet in einer Glosse von einer Frau aus der Stadt Cali in Kolumbien, , die versucht haben soll, sich das Leben zu nehmen, »weil ich glücklich war«, wie sie sagte.

Also auch im Zustand höchsten Glücklichseins den Tod suchen ! Auch das kann es geben. Glücklich, überglücklich zu sein, dass man einen halben Liter Insektengift trinkt, ist ein geistiger Zustand, der von Psychiatern erforscht und aus deren medizinischen Sicht als Krankheit eingestuft werden wird.
Doch menschlich gesehen, wohl auch für Psychiater, wenn sie von ihren medizinischen Wissenschaft absehen,  birgt ein solches Motiv  in Wahrheit eigentlich kein Geheimnis, auch wenn die simpel Denkenden, also die
Mehrheit der Menschen, ein solches Motiv für völlig abwegig halten.
Traurig ist er, der Mensche, er ist wohl fast immer traurig, auch wenn er fröhlich auftritt und von Fest zu Fest zieht, und wir wissen nicht, ob von Natur aus traurig oder weil er im Leben gelernt hat, traurig zu sein.
Die Augenblicke von übergroßer Freude im Menschenleben sind so selten, daß nichts Sonderbares daran ist, wenn er in diesen Augenblick  beschließt, sich die radikalste Trunkenheit zu besorgen, also die mit dem Todesgift …… so wie dieses Mädchen aus Cali es aus Furcht davor tat, dass ihr Glücksgefühl vorübergehend sei und es gleich danach wieder vollkommen traurig sein und in die erdrückenden Mühen des Alltages verstrickt sein müsse.
Das Schlimme ist ja nur , daß man nicht genau weiß, was nach der Vergiftung kommt, ob man gerettet wird und als schwer Behinderter weitervegieren muss.
Oder um mit Hamlet zu sprechen, man nich weiß, was
in jenem Traum sei, welcher der Tod ist, daherkäme
….. Die Pfaffen redeten und reden uns ja noch immer ein, dass es eine Hölle gäbe und manche der Pfaffen, auch erst kürzlich vergangene Oberpaffen, also Päpste (oder auch Oberimame im Iran oder andere islamische Fundamentalisten), wollen uns je einreden,
dass die meisten ohnedies in die Hölle kämen außer sie selbst.
Jedenfalls die Folge eine wie ein Blitzeinschlag wirkendenGiftes könnten also bitterer sein als die des Alkohols, dessen Folgen man immerhin im täglichen Leben, im Nebel vom Montag,
zu ertragen gewohnt ist und nicht im engen und unendlichen Tunnel von sechs  Holzbrettern.

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Budapest

F. hastete durch die Stadt. An jeder Ecke krachte es, die Stadt wie im Straßenkampf, ein ätzender Geruch stieg ihm in die Nase, begleitete ihn auf seinem Weg, er wusste nicht, woher dieser Geruch kam, dann sah er wie Dampf aus einem Kanalgitter stieg, er wusste nun, dass es dieser ätzende Dampf war, der aus dem Kanalgitter, aus allen Kanalgittern stieg, der ihn verfolgte, den ganzen Abend verfolgen wird, und immer die krachenden Silvesterknaller, Jugendliche warfen sie ihm manchmal sogar direkt vor die Füße, auf den Straßen lagen auch überall zerbrochene Flaschen herum, ein Frau, begleitet von einem Mann, kam mit einem Kinderwagen vorbei, zwei Jugendliche warfen zwei Kracher vor den Kinderwagen, als diese sogleich explodierten, stürzte der Kinderwagen um, wohl hatte die Frau in ihrem Erschrecken nicht acht gegeben und so den Wagen zum Umfallen gebracht, das Kind war herausgefallen und begann zu schreien, der begleitende Mann schrie irgendetwas in Richtung der Jugendlichen, da zog einer von diesen eine Pistole und schoß Richtung Himmel.

F. verstand kein Ungarisch, er war das erste Mal in einer Stadt, von deren Sprache er nichts verstand, überall, in Italien, Spanien, Portugal, in Großbritannien, in den Niederlanden, in Hongkong, in Brasilien, selbst in Macao, wo neben Chinesisch immer auch Portugiesisch angeschrieben ist, in Lagos und auf den Kap Verdischen Inseln hatte er stets die Inschriften verstehen können, erkennen können, um welche Gebäude es sich handelt, wie die Stadtplan aussieht. So wie diese Sprache nicht die seine war, so wie diese Sprache nicht Europa war, so waren für ihn diese Menschen nicht von jenem Menschenschlag, den er ertragen konnte, sie erschienen ihm lauter und wilder als andere Menschen, obwohl sicherlich sie wahrscheinlich weniger laut und streitsüchtig als etwa die Italiener oder Brasilianer waren, aber es war ein Lautsein, und nicht nur heute, sondern schon gestern, als noch alles ruhig war, das nicht Temperament und Grazie zugleich vereinigte, sondern nur Krach war und darum erschienene ihm diese Menschen hier so unerträglich laut. Und trotz ihres Krachs waren sie alle so grau, wie Gestalten aus einem schlecht belichteten Schwarzweiß-Film, auch wenn sie bunte oder elegante Silvesterkostüme trugen und ihren Händen Sektflaschen hielten.

An einer Straßenecke stand eine Menschentraube und applaudierte. Er wusste zwar nicht warum, da er ja auch nicht verstand, was dort geschrieen wurde, doch von einem Gefühl der Lächerlichkeit erfasst, stellte er sich dazu, applaudierte wie sie, versuchte, noch lauter als sie in die Hände zu schlagen, steckte die Finger in den Mund und pfiff wie sie, versuchte, noch lauter als sie zu pfeifen als sie, ein älterer Herr klopfte ihm auf die Schultern und sagte lachend irgendetwas auf Ungarisch zu ihm, er antwortete ihm mit dem wenig Portugiesisch das er beherrschte, der Mann noch mehr lachend als zuvor auf Ungarisch. Da fielen ihm plötzlich Bilder aus einer Dokumentation über den Ungarnaufstand von 1956 ein, die er anlässlich irgendeines Gedenkjahres im Fernsehen gesehen hatte und es schlich sich der Gedanke in sein Bewusstsein, dass es diesen Ungarn recht geschah, dass sie von den Sowjets nieder kartätscht worden waren . Sogleich aber zwang er sich zu dem Gedanken, dass er dies nicht denken dürfe, dass die Ungarn ja Freiheitskämpfer gegen die Kommunisten und den sowjetischen Imperialismus gewesen waren. War sein Hass gegen diese Menschen, diese Sprache, diesen nicht enden wollenden Krach, diese graue Stadt schon so sehr gewachsen, dass er seine Überzeugungen und sein historisches Wissen zu verwirren begannen ?

Um seiner Verwirrung zu entfliehen, trat er in eine noch geöffnete Kirche, setzte sich in eine der Bänke, steckte die Kopfhörer seiner Mp3-Players in die Ohren und begann die Goldberg-Variationen von Bach zu hören. So saß er da, konzentrierte auf das Rollen und Kreisen der Cembali um die musikalischen Motive, das Auf- und Ablaufen der Musik…….

Und er sah vor seinen Augen viele Flüsse, springende Quellen in Gebirgen, Rinnsale in Wiesen, große Ströme wie die Donau in seiner geliebten Wachau, wie die Rhone, wenn sie Arles durchquert, er hatte das Gefühl, als ob er in einer warmen Meeresströmung schwimme und mit seinen Augen das Auf und Ab ganz leichter Wellen um sich beobachte, strengere und abgehackte Passagen der Goldberg-Variationen wechselten sich mit den sanfteren oder verspielteren ab, bei diesen letzteren mündete die Musik wieder in das Fühlen der sanften Meereswellen

………

Alle Gedanken, die vor seinem Geist vorbeizogen, die Erinnerung an den Krach, entfernten sich immer mehr von ihm und er achtete nicht mehr auf diese Gedanken, er versuchte mit diesen Variationen des Johann Sebastian Bach zu verschmelzen. Er wollte sogar sich selbst ganz, ja ganz zu vergessen, er versuchte nicht mehr da zu sein, er wollte diese Musik nicht nur zu hören und hörend ihr zu folgen, er wollte selbst dieses Musik sein. So blieb er in dieser Kirche fast eine ganze Stunde und hatte alle Goldbergvariationen gehört, dann fühlte er sich stark genug, wieder hinaus in das krachende Budapest zu treten. Stolz stieg in ihm auf, er fühlte seinen Körper, der ihm vorher so zerrissen in nicht mehr miteinander kommunizierende Teile vorgekommen war, wieder als ein Ganzes, mit erhobenem Haupt wollte er wieder durch diese Stadt gehen, ohne Hass, ja nicht einmal mit Gleichgültigkeit, er versuchte diese Menschen, die er zuvor so gehasst hatte, nun auch mit den Augen der Sympathie anzusehen.

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(Roman « La mort heureuse » / Vögelgesang)

 

Am Morgen, als er aufwachte, hört er die Vögel singen und ist von Staunen erfasst. Seit langem, wohl seit Jahren, hat er nicht mehr bewusst bemerkt, dass die Vögel singen. Das heißt nicht, dass er nie am Land übernachtet hätte, wo die Vögel singen. Doch er hatte nicht darauf geachtet. Es ist ihm gar nie mehr aufgefallen. Seine Seele war abgestumpft. Doch nun, nun, wo er sich entschlossen hatte eine Kur zu machen, nun, zu Beginn dieses Kuraufenthaltes hörte er die Vögel singen.

Oder war es deshalb, weil sein 5-jähriger Sohn Alexander ihn am Abend zuvor angerufen hatte, um ihm « Gute Nacht » zu sagen, nun das erste Mal, dass er sich weiter weg von ihm, nicht mehr in der gleichen Stadt befand. Hatte die Freude über diese neue ungewohnte Situation, wo er von seinem Sohn, seinem ihn liebenden Sohn angerufen wurde, um ein « Gute Nacht » geschenkt zu bekommen, hatte dies seine Aufmerksamkeit mit einem Mal geschärft ?

Vor ihm auf dem Schreibtisch in diesem Zimmer für die Kurgäste stand die Vase, die er am Tag zuvor hingestellt hatte, mit Zweigen von Bäumen, der er von seinem ersten Spaziergang mitgebracht hatte, einem Spaziergang, der ihn auf die anderen Seite des Flusses auf einen Hügel geführt hatte ….der eine Zeig war mit einer ziemlich aufgeblühten weißen Blüte, der ander mit nuch zu Knospen verhüllten Blüten.

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Un commentaire pour Aus « La mort heureuse » ( Arbeitstitel), einem im Entstehen begriffenen Roman

  1. Christian dit :

    Ich bin eben zufaellig auf den Blog gekommen. Gefaellt mir bis jetzt sehr.

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