« Au revoir »

Au revoir »

Der trübe Tag war in alle Fugen der Stadt gesickert.

Die einzelnen Menschen in der Bahnhofshalle waren von einem Halo, den eine sich in ihrer Gestalt befindliche Quelle matten Lichtes zu bilden schien, umhüllt, so dass die auf Rolltreppen, Plateaus, durch Gänge, wie durch den Rhythmus des Lichts in einer sich in den Beinen festgesetzten Müdigkeit verlangsamt dahin Wandelnden, die auf Bänken Sitzenden, Redenden, Zeitunglesenden, vor sich hin Schauenden, deren Bewegung auch wie verlangsamt schien, als pastellfarbigeZeichnungen innerhalb von sie ständig begleitenden von ihren Bewegungen verformten dunstigen Ellipsen sich zu befinden schienen, Ellipsen, die sich mit anderen solch geratenen Ellipsen vereinigten und sich von ihnen trennten.

Der Regen brach sich an den vom Dunst beschlagenen Fensterscheiben, an denen Autos und bizarr lachende Menschen vorbei schwebten, an denen müde Gesichter, wartend auf das immer vorhandene Ungewisse empor starrten.

Es wird die Welt in einer Wasserperle wunderbar verzerrt. Es küsst sich ein Liebespaar im kleinen Wassertropfen, der an der Mittelstütz dies Fensters unmittelbar vor dem Blick der Augen hängt.

„Achtung, der Eilzug in Richtung Salzburg hat 30 Minuten Verspätung ! »

Ein kleines Kind an der Hand seiner Mutter, die es, als sie bei einem Automaten für Süßigkeiten vorbeigingen, weiter zerrte, weint und schreit und zeigt auch weiter auf diesen Automaten, als sie schon vorbeigegangen sind und die Tür zu den Bahnsteigen durchqueren.

Ja, ja, doch es gehört sich, dass man auf das Gepäck der anderen schaut. »

„Aber hören Sie mal, Was geht mich das an. Ich habe auf meine eigenen Sachen aufzupassen.

„Ein höflicher Mensch macht das aber »

„Na, danke schön. Soll ich mich auch noch, wo ich doch ohnedies keine Zeit habe, noch um den Krempel der anderen kümmern müssen. Dazu bin ich wirklich nicht verpflichtet »

„Dazu verpflichtet natürlich nicht, aber man tut es ! »

Dieser sehr laut geführte Dialog war im ganzen Umkreis des Geschehens zu hören. Auf einer Ban neben dem Eingang zu den Bahnsteigen sitzen drei Personen: ein alter Mann, der eine verwachsenen Gestalt zu haben schein, neben ihm eine Frau mittleren Alters, bei der schwingenden Doppeltür zu den Bahnsteigen ein Mann um die Dreißig, vor dessen Füßen eine Menge Gepäck steht. Dieser Mann bemüht sich, die beiden streitenden Nachbarn zu übersehen und schaut konzentriert in die Zeitung. Doch man läßt ihn nicht in Ruhe. Die Dame fragt ihn:

„Sind Sie auch der Meinung, dass sich auf ihr Gepäck aufpassen müßte ? »

Die junge Mann scheint das überhören zu wollen, weil er von seiner Zeitung nicht aufblickt, je vielmehr noch tiefer in sie hineinblickt, wohl die unangenehme Situation spürend , irgendeinem der beiden möglicherweise Recht geben zu müssen, zumal sein Gepäck, das er zuvor für einige Augenblicke verlassen hatte, um sich die Zeitung zu kaufen, der Anlass dieses Streites der beiden ist.

 

 

Die Dame, die ihn zu Schiedsrichter aufgerufen hat, schaut ihn durch ihre Brille hindurch erwartungsvoll an, mit dem Gesicht einer Melone, die durch die Pöbelei des Krüppels Beulen bekommen hat.

Auch der alte Mann wartet auf ein Urteil, doch könnte man in seiner Miene lesen, dass er nur geringe Hoffnung hat, Recht zu bekommen.

Wie von einem plötzlichen Schmerzblitz in seinen Gedärmen durch zuckt, macht der Körper des jungen Mannes eine plötzliche Bewegung, während sein Blick noch tief in der Zeitung steckt, dann schaut er auf und wendet seinen Kopf seitlich zur Dame und sagt kühl: „Sie brauche ich nicht dazu, mein Gepäck zu bewachen. »

Mit dieser Antwort glaubt er wohl, einerseits der Meinung der Frau, die ja zuvor im Gespräch mit dem alten Mann betonte, dass sie nicht die Wächterin des Gepäcks anderer sein müsse, Recht gegeben zu haben, andererseits aber auch dem alten Mann nicht Weh zu tun, weil er der Frau ja eine unfreundliche Antwort gegeben hat.

Dann wendet er sich von den beiden wieder aber und starrt weiter in seine Zeitung.

„Sie sind ein unverschämter Mensch, der fremde Menschen anspricht und belästigt ! »

« Aber ich meinte doch nur… „, der alte Mann kramt in seiner Reisetasche und zieht dann etwas hervor, » ich bin ein anständiger Mensch. Sehen Sie sich das doch nur an,

ich –  »

Der alte Mann macht nach dem plötzlichen Abgang der Dame eine hilflose Geste und setzt sich wieder auf seinen Platz. Dann rückt er auf seinem Platz ein wenig hin und her, so, als ob er sich auf diese Weise von hier wegschaffen könnte, während aus der hin und her schwenkenden Doppeltür zu den Fahrsteigen ein hefiger Windstoß kommt und sein schon vorher zerwühltes Haar noch mehr zerwühlt.

Ein Gepäckkuli im Ledermantel, eine mit Plastikfolie überzogene Kappe auf seinem Kopf, schafft einen kleinen, über und über vollgepackten hölzernen Wagen, durch die der hin und her schwenkenden Doppeltür vom Perron herein kommend zu einer Tür, auf der man lesen kann: Expressgut, winkt dann einem anderen Gepäckkuli im Ledermantel, der auch eine mit Plastikfolie überzogene Kappe auf seinem Kopf trägt, sie sprechen kurz miteinander, dann hält der eine die Tür offen und der Gepäckkuli mit dem Wagen zieht diesen mühsam und am Türstock anstoßend, seine Last in den Raum.

„Mein Herr », sagt der alte Mann, Sie können mir glauben, ich bin ein anständiger Mensch. Aber es gibt viele Gauner, die sich auf Bahnhöfen fremde Sachen aneignen.

Diese Sachen gehören doch Ihnen ».

„Ja, dies ist mein Gepäck. Als ich vorhin die Zeiung gehört habe, habe ich aber meine Sachen nicht ganz aus den Augen gelassen.

Nach einen Moment der Stille bekräftigt der junge Mann noch einmal:

„Dies sind meine Sachen, mein Koffer, meine Reisetasche und in dem Violinkasten meine Violine »

„Sie spielen also Violine »

„Ja, in einem Amateurorchester »

„Das ist etwas sehr schönes, eine Violine. Ich höre sehr gerne Violinkonzerte. Sind Sie Musiker von Beruf ? »

 

 

„Doch nein, ich bin kein Berufsmusiker. Ich sagte Ihnen ja schon, dass ich nur in einem Amateurorchester Violine spiele. »

„Darf ich die Frage an Sie stellen, welchen Beruf Sie ausüben ? »

„Ich bin Französischprofessor. Die Musik betreibe ich nur als Hobby »

„Sie können also gut Französisch. Können Sie auch Englisch ´ »

„Nicht sehr gut, ich habe es zwar einmal im Gymnasium gelernt, doch das ist schon über zehn Jahr her, und ich habe kaum Gelegenheit gehabt, mein Englisch zu praktizieren, da ich kaum in angelsächsische Länder gereist bin. »

„Sagen wir also, Sie können Französisch drei Viertel und Englisch ein Viertel »

Der junge Mann muß über diese komische Formulierung seines Gesprächspartners unwillkürlich lächeln. Dieser setzt fort:

„Wissen Sie, ich kann Englisch. Aber Englisch ist eine schwere Sprache. Das ist so in Englisch: Man kann das nicht einfach lernen Wort für Wort und mit der Grammatik. Dann muß da alles lernen, ich meine… Wie heißt das denn nur… ? » Der alte Mann neigt sich stark vor, sodass sein Kopf fast seine Knie berührt und sieht dabei seinen Nachbarn, der den Mund öffnet, um etwas zu sagen, von der Seite an und sagt hastig: „Nicht sagen, mir fällt das schon ein ! » Mit einer wilden Drehung rückt er seinen Körper von seinem Nachbar ab, sieht in die andere, vom Nachbarn abgewandte Richtung und sucht begierig nach dem Wort, das er sich auf keinen Fall wegnehmen lassen will. „Gleich hab ich‘s, das sind.. Ja. Man muß das in Wort- und Satzgebilden lernen. » Schnell richtet er sich wieder auf und schon den jungen Mann triumphierend ob seines Bildungsbeweises an.

„Da, ich habe.. », mit einer hastigen Bewegung, wobei er den Oberkörper wieder vorkrümmt, die linke Schulter zurückstreckt und die rechte Hand in die Brusttasche seiner Jacke schiebt, zieht er ein fast volles Päckchen Zigaretten heraus steht auf und hält es seinem Nachbarn hin, „die sind ganz leicht. Nehmen Sie nur. Das ist das leichteste, was es gibt. » Der alte Mann hat sich nun dicht an den jungen Mann gedrängt und eine Zigarette dem Päckchen entnommen, die er ihm fast vor den Mund hält. Der junge mann schaut mit ärgerlicher Miene auf die Finger des alten Mannes und dann auf die Zigarette und nimmt schließlich die Zigarette, die ihm angeboten wird.

„Da haben Sie auf Feuer », der alte Mann hat auch schon ein Feuerzeug bereit und reicht seinem Nachbarn Feuer.

Der alte Mann setzt sich hastig und zündet sich auch eine Zigarette an, erklärt, dass er kein „Animierer » sei, dass diese Zigaretten gute Zigaretten seien, dass Rauchen nicht so schädlich sei, wie man sage, und saugt zwischen all diesen gesprochenen Sätzen den Rauch durstig in sich ein, bläst ihn immer wieder langsam aus. Dann schweigt er und raucht weiter. Nach einigen Minuten Schweigens greift er plötzlich in seine Brusttasche und zieht seinen Pass heraus, den er zunächst schweigend in Richtung zu dem jungen Mann hält, dann sagt er:

„Wissen Sie, ich bin ein anständiger Mensch. Ich war auch einmal etwas.. Das schauen Sie », er entnimmt dem Pass einen Ausweis, und spricht weiter: Wie alt sind Sie denn ? Dreiundzwanzig, vierundzwanzig Jahre ? „ ich bin dreißig Jahr alt. » „Das ist gut. Dann kennen Sie‘s schon.. Kennen Sie den Sender Rot-Weiß-Rot ? »

„Ich glaube, das war ein österreichischer Rundfunksender in den Fünfzigerjahren »

„ich war einmal Chefredakteur beim Nachrichtendienst des Senders Rot-Weiß-Rot. Jawohl. Schauen Sie, lesen Sie nur. Das war ich. »

Zitternd und stolz steckt er den Pass samt Ausweis wieder ein, ohne die Augen vom jungen Mann abzuwenden, dessen Reaktionen er genau registriert, um so die Wirkung dieser Enthüllung genau wahrnehmen zu können. In der Position eines Chefredakteurs habe er 60 Personen unter sich gehabt und das sei doch sehr viel. Rot-Weiß-Rot sei der beste Sender Europas gewesen, so dass ihn weit über die Grenzen Österreichs hinaus zwanzig Millionen Menschen regelmäßig gehört hätten, erklärt der alte Mann.

Das Gesicht des Mann wird tieftraurig, Tränen rinnen über seine Wangen, er schreit: „Der beste Sender Europas ! Das war ich einmal. Und dann haben Sie mich entlassen. So ist das. Sie haben mich rausgeworfen. Ich will niemanden belästigen mit meinem verdammten Schicksal. Ich bin ja nur eine Viertelstunde hier. Ich sehe die Uhr nicht. Meine Augen sind so schlecht geworden. Wie viel Uhr ist denn? Ist es schon sechs Uhr? »

„Ja. Vier Minuten nach sechs. »

„Fünf nach Viertel fährt mein Zug. »

Dann zieht der alte Mann mit hastiger Bewegung noch einmal den Pass heraus, nimmt den Chefredakteursausweis aus dem inneren Hüllstreifen des Plastikumschlags und hält den geöffneten Ausweis unter die Augen des jungen Mann, der ihn in die Hand nimmt und genauerbetrachten möchte, dann reißt er ihm den Ausweis, wie wenn er fürchten müßte, dass dieser ihm geraubt würde, wieder aus der Hand, wobei er weiter schriet: „Das war wirklich der beste Sender Europas. Ganz was anderes als die heute im Rundfunk machen. Die sind ja nicht einmal echte Österreicher. Kennen Sie diesen österreichischen Kroaten. Ja, ja, sie hören recht. Von dort unter ist der hergekommen und ein katholischer Faschist ist er auch. Der, wie heißt er doch gleich. Na, der jetzt immer seine Kommentare spricht. »

„Meinen Sie etwa den P ? »

„Ja,, ja. Der ist es. Der spricht wie…. Aber nein, der ist es nicht. Der ist ja im Fernsehen. Ich meine den von Rundfunk – nicht sagen, ich finde den Namen schon, nicht sagen – ja, ich habe, den Dalma meine ich. Kennen Sie den. »

„Ich habe einige male seine Kommentare gehört. »

Was hat denn der für eine Aussprache ! Wissen Sie, ich rede wienerisch, weil ich ja auch ein Wiener bin. Ich will das überhaupt nicht verleugnen, doch ich kann auch sehr gut Hochdeutsch. Das war früher meine Sendung, was der jetzt macht. Ich habe einmal Kommentare gegeb en im Sender Rot-Weiß-Rot, so wie es heute dieser Damla macht. Vorbei, lieber Gott, vorbei. »

Der alte Mann schaut regungslos vor sich hin und die Tränen der Wut rinnen über sein Gesicht.

Nach einiger zeit des Schweigens fragt der junge Mann , was der alte Mann denn jetzt mache, ob er etwa in Pension sei. Der alte Mann geht auf diese Frage jedoch nicht ein, sondern erzählt, dass er kommende Woche nach England fahren werde und sich sehr darüber freue. Nach einem Gespräch über die Engländer und das Wetter, hat er sich wieder beruhigt und sitzt dann stumm und schwer vorn übergebeugt da.

Sein Körper ist verkrüppelt, seine Wirbelsäule möglicherweise von Geburt auf verwachsen. Liegt es vielleicht an einem vererbten Instinkt, dass viele Menschen angesichts von Missgestalteten unangenehme Gefühle empfinden, so wie viele Tiere sogleich nach der Geburt ihre Kinder, die mit verkrüppeltem Körper zur Welt kommen, verstoßen? Ist dieser Instinkt ein Selbstschutz des Lebens, das nur die Fortdauer des Gesunden dulden will? Sind diese unangenehmen Gefühle aus einer Art Hilflosigkeit entsprungen, dass man nicht verbessern kann, was die Natur geschaffen hat. Manche Menschen gründen ihre Abneigung gegen Verkrüppelte darauf, dass diese von Natur aus verschlagen, ehrgeizig und unberechenbar seien und meinen, man solle ihnen darum nicht trauen. Manche dieser Mißgestalteten werden tatsächlich durch die vielen einsamen Stunden, die Grausamkeit ihrer Mitmenschen zu solchen Menschen. Sie wissen, dass sie nicht schön sind und sehen sich wie alle Menschen nach Schönheit. So gelten ihre Tagträume dem Schöne, doch sie werden immer wieder zum Häßlichen gestempelt. So lebt eine wilde Leidenschaft, die sich täglich neu kettet, ungebrochen durch ein ganzes Leben. Es öffnet sich ein Fenster und ein Revolver erscheint in diesem Fenster und schießt auf die Vorbeikommenden, die anderen, die Nicht-Gezeichneten, dass die ganze Welt verbrenne. Das nichts mehr sei, in diesem Schmerz. Doch ein Mann braucht nicht schon sein, der Revolver erscheint nicht im Fenster, es sieht nur ein Mißgestalteter hinaus.

Der alte Mann spricht von den Mädchen der Vorkriegszeit, dass sie viel schöner, adeliger und erhabener gewesen seien. Es glänzen seine Augen vor Begeisterung. „Das waren herrliche Geschöpfe, nicht so ausgelassen wie die Mädchen von heute. »

Vielleicht hatte er in dieser Zeit eine Frau geliebt, vielleicht ganz ohne jede Hoffnung geliebt. Jetzt sind auch diese Mädchen alle schon alt und ihre Schönheit ist verschwunden, ihre Gesicht sind von Runzeln zerrissen, die Bäuche sind angeschwollen. Alle sind sie gleich geworden, die Schönen und die Häßlichen. Alle gleich, wenn sie sich durch ihr Greisenalter schleppen. Doch die Leidenschaft des Verzweifeltseins brennt weiter und auch diese Gleichheit kann nicht sie nicht löschen.

Der junge Mann wirft einen kuren Blick auf die Hände des alten, auf seine Finger. Kein Ring, alle Finger sind leer. Der Mann konnte ja niemals eine Frau finden. Konnte er Freund finden? Mußte er ganz allein sich durchs Leben quälen? Hat er so seine Träume entwickelt, vielleicht jenen Traum, ein Chefredakteur zu sein. Oder ist doch alles wahr, was er von seiner Vergangenheit beim Sender Rot-Weiß-Rot erzählte?

„Alle Welt hat einmal geglaubt, dass die amerikanische Demokratie die wahre Freiheit gäbe. Doch das ist nicht wahr. Die Amerikaner sind nicht besser als die Russen und die Nazis. Schauen Sie sich nur ihren Kuhhandel mit dem Dolar an, das ist doch Vertrauensbruch, das ist doch auch eine Gemeinehit gegen ihre Verbündeten. Doch leider Gottes, unser Europa ist so uneins und so schwach und zerrissen. Junger mann, das müssen Sie sich merken: Europa muß eins werden uns überleben zu können in dieser verfluchten Welt. Mein Gott, der zweite Weltkrieg war die tiefste Erniedrigung Eruopas, ich habe das erlebt. Lieber Gott, warum hast Du das zugelssen. Ich war in russland. Ach, mein Herz, mein herz ist ganz krank geworden. Lieber Gott, warum mußten wir diese Verbrechen tun, warum mußten diese Millionen sterben. » Immer wieder sagt er „lieber Gott, lieber Gott. Lieber Gott, warum hast Du das getan, lieber Gott, warum haben wir das getan »

Plötzlich schreit er auf: Da schauen mich die so an, wenn ich da spreche!. Glaubt der etwa, dass ihn der k. nicht bemerkt. Aber der merkt das schon. Der hat es immer wieder bemerkt. »

Beim Bahnhofsbuffet steht ein großer Bursch mit kräftiger Statur, verzehrt eine Wurt und betrachtet dabei den Alten mit lachendem Gesicht. Dieser ist so laut geworden, dass er bei den anderen Menschen Aufsehen und ärgerliche Bemerkungen erregt hat. Nicht bemerkt er, dass durch das Fenster hinter der Bank, wo er gesessen und vor der er nun steht, ein kleines Mädchen erschrocken mit weit aufgerissenen Augen hereinschaut.

„Lieber Gott, so ist es. Lieber Gott, Ach mein Herz ist ja viel zu gut.. »

Dann sagt er leiser und wieder ruhiger zu dem jungen Mann: Wiessen Sie, was das Leben ist. Nein, Sie wissen es nicht. Sie sind ja viel zu jung dazu um es zu wissen. »

„Doch, ich weiß, was Sie sagen wollen. Dass die Gewalt zählt, dass sich oft nur das Starke, das Brutale durchsetzt. »

„Lieber Gott, sie wissen es. Ja, so ist ! Ach, mein Herz, mein Herz ist davon krank geworden »

Der alte Mann geht, seine Zeit in dieser Bahnhofshalle ist um. Mit heiserer Stimme presst er in Wiener Französisch hervor: „Au revoir! »

Die Dame fällt ihm schrill ins Wort: „Das interessiert mich überhaupt nicht » und steht hastig auf, nimmt ihre Tasche und murmelt noch im Weggehen » Solche Kreaturen stehlen einem die Zeit ».

(geschrieben ca. 1974)

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