Nachdichtungen von Gedichten aus den « Fleurs du Mal » von Charles Baudelaire

Nachdichtungen von Gedichten aus den « Fleurs du Mal »

von Charles Baudelaire

 

l‘homme et la mer

 

 Der Mensch und das Meer

freier Mensch, stets liebst Du das Meer

Das Meer – Dein Spiegel. Deine Seele siehst

du in der Flut, die endlos rollend fließt.

Dein Geist – ein Abgrund, bitter wie das Meer.

Dir gefällt‘s, zu tauchen in Dein Bild.

Mit Aug und Arm umschlingst du es; Dein Herz

Zerstreut sich oft von seinem Groll und Schmerz

Beim Lärme dieser Klage, frei und wild.

Beide seid ihr finster und bedacht:

Mensch, niemand durfte je Deine Tiefe erkunden

Meer, niemand hat je Deine Schätze gefunden,

Sosehr bewahrt ihr neidisch Eure Nacht.

Und doch unzählige Zeiten, immer wieder

bekriegt Ihr Euch, reulos und ohne Mitleid,

Weil Ihr dem Mord und Tod verfallen seid,

O ewige Kämpfer, O unversöhnliche Brüder.

 

 

Hymne auf die Schönheit

(Hymne la beauté)

 

Kommst Du vom tiefen Himmel, steigst Du aus dem Abgrund auf

Oh Schönheit ? Dein Blick, höllisch und göttlich

verbreitet Wohltat und Verbrechen in seinem wirren Lauf.

Dem Weine kann ich darum vergleichen Dich.

 

In Deinem Auge birgst Du Abendlicht und Morgensonne

von Dir Gerüche wie am Gewitterabend sich verbreiten

Dein Mund, eine Amphora, Dein Kuß, des Liebestrankes Wonne

Die Helden feige machen, die Kinder zum Mut anleiten.

Entsteigst Du der Unterwelt, kommst herab Du von den Sternen?

Deinen Röcken folgt verzaubert das Schicksal wie ein Hund.

Du säest Glück und Unheil aus des Zufalls Fernen.

Alles beherrschest Du und folgst doch selbst keinem Grund

Du schreitest über Tote, Schönheit, deren Du nur lachst

Der Schrecken ist nicht der geringste Schmuck, den es an Dir gibt

Und der Mord, den Du zum edelsten Geschmeide machst

auf Deinem stolzen, nackten Bauche tanzt verliebt

 

Geblendet, die Eintagsfliege zu Dir, Kerze, fliegt,

Knistert, brennt und sagt: Diese Flamme, Himmelstrost.

Der Verliebte keuchend über seine Schöne geschmiegt

gleicht einem Todgeweihten, der sein Grab liebkost.

Kommst Du vom Himmel oder von höllischem Orte !

Oh Schönheit, bald dem Kind, bald dem Scheusal verwandte,

Wenn Dein Auge, Dein Lächeln, Dein Fuß mir nur öffnet die Pforte

einer Unendlichkeit, die ich liebe und niemals kannte

Von Satan oder von Gott, gleichviel, Engel, Sirene,

gleichviel, wenn Du nur – samtäugige Fee

Rhythmus, Duft, Schimmer, einzig Königin, die ich ersehne

machst die Welt weniger scheußlich, die Zeit weniger weh.

 

 

Einladung zur Reise

Meine Schwester, mein Kind,

Denk wie wir selig sind,

Dorthin ins Ferne zu reisen, um zusammen zu leben

Einander umwerben,

Lieben und sterben

In jenem Land, das Dir so gleicht!

Die wasserverhangenen Sonnen

In den Wolken zerronnen

Sind meinem Geist wie jener Zauberbann,

Der geheimniserfüllt

Deinen verrätrischen Blick umhüllt,

wenn er hinter Tränen so leuchten kann.

Dort ist alles nur wohlgeordnete Schönheit

Luxus, Ruhe und Seligkeit.

 

 

Möbel leuchtend lackiert

und von der Zeit poliert

Wären dort unseres Gemaches Zier

Seltenster Blüten Duft

Vermischt in der Luft

Mit Ambras leichtem Aroma hier;

Reich geschmückter Decken Pracht,

Großer Spiegel Macht,

Des Orients herrlich Wunderland

Sprächen hier in geheimen

Süßen Reimen

Sprachen, die unserer Seele bekannt.

 

 

Dort ist alles nur wohlgeordnete Schönheit

Luxus, Ruhe und Seligkeit.

 

 

Sieh auf den Kanälen, im Hafen

Die vielen Schiffe schlafen;

Sie lieben unstet Wanderleben;

Es ist nur, um zu stillen

Deinen begehrenden Willen,

Daß sie aus aller Welt herstreben.

– Die Sonnenuntergänge

Bedecken die Hänge,

Die Kanäle die ganze Stadt

Mit Hyazinth und Gold;

Die Welt entschläft

in einem Lichte, heiß und matt.

 

Dort ist alles nur wohlgeordnete Schönheit

Luxus, Ruhe und Seligkeit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Duft

 

Leser, hast Du manchmal in Trunkenheit

und müßger Naschhaftigkeit das Weihrauchkorn

geatmet, das zum Kirchenduft erkorn

oder gerochen des Moschus Dauerhaftigkeit

Die wiedergefundne Vergangenheit eines Charmes, dicht

magisch,uns in der Gegenwart betäubt

so der Geliebte über den Körper gebeugt

der Angebeteten , aus dem Gedächtnis die edle Blume bricht

Die wiederbelebte Vergangenheit eines Charmes, dicht,

magisch,uns in der Gegenwart betäubt

so der Geliebte über den Körper gebeugt

der Angebeteten , die edle Blume der Erinnerung bricht.

Aus ihrem Haar, schwer und geschmeidig,

Duftbehälter, Alkovens Weihrauchfaß

stieg ein Geruch auf,tierisch, kraß.

Und Kleider, Musselin und samtig,

von ihren reinen Jugend impregniert,

ein Fellgeruch entströmt, herb koloriert.

 

 

 

Die Katzen

 

Die glühend Verliebten und die strengen Weisen

lieben beide die Katzen in ihrer reifen Zeit

die starken, sanften, den Stolz der Häuslichkeit

fröstelnd wie diese hassen sie Reisen.

Freunde der Wollust und der Wissenschaft

sind sie der Stille, dem Dunklen zugewandt.

Hades hätte sie vor seinen düstern Wagen gespannt,

wenn sie dem Dienst beugten ihres Stolzes Kraft.

Träumend nehmen sie edle Haltungen (Attitüden) ein,

wie große Sphinxen ausgestreckt im Einsamsein,

die in endlosen Traume zu versinken scheinen

die zu versinken scheinen in endlosen Traumes Land

Ihre fruchtbaren Lenden sind voll Sternen magisch

mit Splittern von Gold, wie feiner Sand

bestrernen sie undeutlich ihre Pupillen mystisch.

sind besternt

————————————-

Glühend Verliebte und Weise gedankenbrütend

lieben beide die Katzen in ihrer reifen Zeit,

die starken, sanften, den Stolz der Häuslichkeit,

fröstelnd wie diese stets das Zimmer hütend.

 

Glühend Verliebte und Weise gedankentreibend

lieben beide die Katzen in ihrer reifen Zeit,

die starken, sanften, den Stolz der Häuslichkeit,

fröstelnd wie diese stets im Zimmer bleibend

Die glühend Verliebten und Weisen in Strenge

lieben beide die Katzen in ihrer reifen Zeit,

die starken, sanften, den Stolz der Häuslichkeit,

fröstelnd wie sie verbleibend in des Zimmers Enge

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Eulen

Unter schwarzer Eiben Zinnen

In stummer Reih’ die Eulen stehn

Wie fremde Götter. Und sie sehn

Nach uns mit roten Augen. Sie sinnen.

Regungslose stehn sie da,

Bis dann zur Schwermut schrägen Stunde

Versinkt der Sonne Tagesrunde

Und schon die Finsternis ist nah.

Ihr stummes Stehn dem Weisen lehret,

Daß er in dieser Welt sich wehret

Der Menge Lärm und die Bewegung;

Der Mensch, den flüchtige Schatten berauschen,

Trägt stets in sich die Züchtigung

dafür, daß er stets den Platz will vertauschen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Charles Baudelaire

 

 

 

Die Fontaine

traduç a dedicada a senhora Young Hee Kim (1974)

Deine schönen Augen sind so müd’, geliebtes Kind.

Bleibe liegen, öffne sie nicht,

Laß erschlafft die Glieder wie sie sind,

Wie die Lust überrascht Dein Gesicht.

Im Hof die Fontaine, sie plappert in fröhlichem Mut,

die niemals schweigt, nicht Tag, nicht Nacht,

Nähret der Extase süße Flut,

In die diese Nacht die Liebe mich gebracht.

Die Wassergarb’, die tausend Blüten

Zärtlich wiegt,

Worauf des Mondes Licht,

Ein bleiches Glühen, liegt,

Stürzt nieder, Tränen-, Regenguß,

Der schnell versiegt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ebenso bricht Deine Seele hervor,

Von der Wollust blitzend Feuer

Ganz getroffen, kühn empor,

Steigt empor verzückt zum Himmel, ungeheuer.

Gießt sich dann in sterbendem Gesang

Langsam in die Flut von stillem Schmerz,

Die auf einem dunklen Hang

Abwärts fließt tief in mein Herz.

Die Wassergarb’, die tausend Blüten

Zärtlich wiegt,

Worauf des Mondes Licht,

Ein bleiches Glühen, liegt,

Stürzt nieder, Tränen-, Regenguß,

Der schnell versiegt.

O Du, die in der Nacht so schön erscheint,

Wie ist’s mir süß, auf Deiner Brust

Zu hören wie die ewige Klage weint

Im Brunnen Seufzer dunkler Lust.

Mond, dunkles Wasser, Segensnacht,

Bäume, rauschend um den Hügel,

Eurer reinen Trauer stumme Macht

Ist meiner Liebe klarer Spiegel.

Die Wassergarb’, die tausend Blüten

Zärtlich wiegt,

Worauf des Mondes Licht,

Ein bleiches Glühen, liegt,

Stürzt nieder, Tränen-, Regenguß,

Der schnell versiegt.

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